Oder sollte man ihn einfach weiter ignorieren.

Früher war er für mich ein guter Sänger. Dann habe ich lange nichts mehr von ihm gehört. Er war für mich nicht mehr präsent und gehört habe ich seine Musik auch nicht sonderlich. Ich kenne auch nicht viele seiner Lieder in denen man wohl anhand der Texte erahnen können, wie es mit ihm weiter geht. Für mich kam es dann also ziemlich überraschend. Ich war nicht vorbereitet. Es hatte mich auch nicht gestört. Aber mittlerweile nimmt es überhand.

2020 saß Xavier Naidoo weinend vor der Kamera und erzählte, dass Eliten Kinderblut trinken würden und dass Regierungen von Echsenmenschen unterwandert seien. Keine Metaphern, keine künstlerische Überspitzung, sondern ernst gemeint. Viele nannten das Schwurbel, manche gefährlich, andere haben nur den Kopf geschüttelt.

Später kam sein Entschuldigungsvideo. Er habe sich verrannt, falschen Quellen geglaubt, Fehler gemacht. Für viele schien das eine Läuterung zu sein. Vielleicht war es auch nur ein Neustart, um wieder Anschluss zu bekommen.

Epstein-Files und neue Fantasien

Dann tauchten die Epstein-Files auf. Dokumentierte Fälle von sexuellem Missbrauch, Netzwerke aus Geld, Macht und Korruption. Reale Opfer, reale Täter. Und plötzlich gab es Leute, die sagten: Jetzt müsst ihr euch bei Xavier entschuldigen, er hatte doch recht, ihr habt ihn Schwurbler genannt.

Das ist der Punkt, an dem es absurd wird. 2020 ging es nicht um belegte Skandale. Es ging um Kinderblut, um Echsenmenschen, um eine komplett verdrehte Realität. Realität beweist keine Fantasie. Nur weil es echte Täter gibt, werden daraus nicht automatisch seine Theorien wahr.

Und nach den Epstein-Debatten eskalierte es noch weiter. Plötzlich redet er über Menschenfresser, behauptet, wir alle hätten schon Menschen gegessen, weil Snacks angeblich „embryonale Gewürze“ enthalten. Chips als Einstieg in den Kannibalismus. Ernsthaft. Da ist kein Erkenntnisgewinn, da ist nur eine immer größer werdende Übertreibung.

Vom Sänger zum Schwurbler

Das ist keine glaubhafte Analyse der aktuellen Zeit. Das ist Schwurbel XXL. Nicht alles, was laut ist, verdient Bühne. Nicht alles, was aufregend klingt, verdient Glauben. Nicht jeder, der früher ein guter Sänger war, verdient es, als Aufklärer durchzugehen. Ein Mann, der ernsthaft glaubt, wir alle hätten schon Menschenfleisch gegessen und dass Chips das Tor dazu sind. Xavier Naidoo ist kein Denker, der uns hilft, die Welt zu verstehen. Er mischt Realität mit Fantasie und verkauft es als Wahrheit. Und es ist traurig, wie viele Menschen bereit sind dem zu folgen. Es ist nicht nur schräg. Es ist eine komplett verdrehte Realität, in der er selbst die Hauptrolle spielt und wir sollen applaudieren.

Wollen wir wirklich jemanden ernstnehmen, der selbst in den absurdesten Erzählungen lebt und uns glauben machen will, wir hätten alle schon Menschen gegessen?

Also nein, eine Entschuldigung ist nicht fällig. Was fällig ist, ist Klarheit. Differenzierung. Verantwortung. Wer reale Verbrechen mit Fantasie vermischt, hilft niemandem, schon gar nicht den Opfern. Am Ende bleibt die Frage. Wollen wir uns wirklich von so jemandem erklären lassen, was wir als Wahrheit anerkennen sollen. Von jemanden der selbst in den absurdesten Geschichten lebt und uns erzählen will, wir hätten alle schon Menschen gegessen?

Vielleicht ist die einzige richtige Reaktion einfach den Kopf zu schütteln, die Lautstärke runterzudrehen und sich daran zu erinnern, dass nicht alles, was laut ist, automatisch richtig sein muss.

In diesem Sinne

Euer Patrick