Silvester ist vorbei.

Der Himmel ist wieder grau, die Straßen riechen noch nach Rauch und irgendwo liegt immer noch eine abgebrannte Batterie, die keiner wegräumt. Neues Jahr, alter Dreck.

Ich will gar nicht so tun, als wäre Feuerwerk grundsätzlich schlecht. Es sieht gut aus. Kurz. Laut. Bunt. Macht für ein paar Sekunden was her. Versteh ich.

Was ich weniger verstehe, beginnt Tage vorher.

Da wird nicht bis Silvester gewartet. Nein. Da wird schon drei, vier Tage vorher alles verballert, was knallt. Mitten am Nachmittag. Mitten unter der Woche. Einfach, weil man kann. Als wäre Geduld inzwischen auch ausverkauft.

Und während draußen geböllert wird, sitzen Tiere irgendwo zitternd in der Wohnung, unterm Bett oder in der Ecke. Hunde, Katzen, Wildtiere – egal. Hauptsache, es knallt. Dass andere dabei Panik haben, ist dann halt Kollateralschaden. Redet man sich zumindest ein.

Dann gibt es noch den Punkt mit den Verletzungen.

Wenn sich jemand mit seinem eigenen Feuerwerk selbst die Finger wegsprengt – ehrlich gesagt: eigenes Risiko.

Was mich nervt, sind die Fälle, bei denen Unbeteiligte verletzt werden. Menschen, die einfach nur vorbeilaufen, aus dem Fenster schauen oder zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Dafür habe ich absolut kein Verständnis.

Die gleichen Menschen erzählen das ganze Jahr, wie teuer alles geworden ist. Dass kein Geld da ist. Dass man sparen muss.

Und dann stehen sie um drei Uhr morgens vor dem Lidl, um möglichst viele Raketen zu bekommen. Prioritäten sind manchmal erstaunlich klar.

Kein Geld, aber genug für Dinge, die man anzündet.

Absichtlich.

Ein paar Sekunden Lichter.

Ein paar Stunden Gestank.

Ein paar Tage Müll.

Und danach wieder jammern, dass alles so teuer ist.

Was mich daran wütend macht, ist nicht mal das Feuerwerk selbst. Es ist diese Widersprüchlichkeit. Dieses „Ich hab eigentlich nichts“ und gleichzeitig „Aber dafür schon“. Vielleicht ist Silvester einfach der Abend, an dem Vernunft offiziell Urlaub hat.

Und ja, für viele gehört das dazu. Tradition. Kindheit. Gefühl. Alles okay.

Aber das neue Jahr kommt auch ohne Knall. Ganz still. Ganz unbeirrt davon, wie viel Geld wir vorher in Rauch aufgelöst haben.

Jetzt ist es vorbei.

Und irgendwie ist alles wie vorher – nur etwas schmutziger.

Trotzdem:

Frohes neues Jahr.

Euer Patrick