Manchmal frage ich mich, wie wir eigentlich von außen wirken würden. Also wirklich von außen. Nicht aus der Sicht eines anderen Landes oder einer anderen Kultur, sondern aus dem Blickwinkel von Wesen, die mit uns absolut nichts zu tun haben. Außerirdische zum Beispiel. Einfach nur Beobachter, irgendwo da draußen, die unseren Planeten anschauen und sich denken: Aha… interessant.
Der erste Eindruck wäre wahrscheinlich ziemlich gut. Von oben sieht die Erde beeindruckend aus. Ein blauer Planet, Wolken, Ozeane, grüne Flächen. Sie würden vermutlich erstmal denken, dass hier alles passt. Ein Planet, der Leben trägt und dabei auch noch ziemlich gut aussieht. Fast schon zu gut, um wahr zu sein.
Aber je länger sie hinschauen würden, desto komplizierter würde es werden.
Sie würden erkennen, dass hier intelligentes Leben existiert. Städte, Straßen, Lichter, Satelliten, Raumstationen. Eine Spezies, die offensichtlich verstanden hat, wie man Technik nutzt, wie man baut, wie man sich ausbreitet. Wahrscheinlich wären sie beeindruckt davon, wie weit wir gekommen sind. Vielleicht würden sie sogar sagen: Nicht schlecht für eine junge Zivilisation.
Und dann würden sie genauer hinsehen.
Abgeholzte Wälder. Verschmutzte Meere. Luft, die alles andere als gesund aussieht. Eine Spezies, die technologisch immer weiter kommt, aber gleichzeitig ihren eigenen Lebensraum Stück für Stück beschädigt. Spätestens hier würden sie sich vermutlich fragen, warum man so viel Energie darauf verwendet, Fortschritt zu schaffen, wenn man dabei die eigene Grundlage gefährdet. Vielleicht würden sie uns nicht für böse halten, sondern einfach für widersprüchlich.
Wenn sie nicht nur die Erde, sondern auch unser Verhalten beobachten würden, würde es noch verwirrender. Auf der einen Seite Kooperation, Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft. Menschen, die füreinander da sind, die gemeinsam Probleme lösen, die füreinander kämpfen – im positiven Sinn. Auf der anderen Seite Kriege, Machtspiele, Konflikte, Egoismus. Dieselbe Spezies, die Leben rettet, zerstört es an anderer Stelle ohne großes Zögern.
Vermutlich würden sie sich fragen, wie das zusammenpasst.
Auch unsere kulturelle Vielfalt würde auffallen. Unterschiedliche Sprachen, Religionen, Lebensweisen, Traditionen. Eigentlich ein Zeichen von Anpassungsfähigkeit und Kreativität. Gleichzeitig aber auch eine der größten Quellen für Streit, Abgrenzung und Konflikte. Vielleicht würden sie sich wundern, warum Unterschiede so oft als Problem gesehen werden und nicht als Stärke.
Am Ende würden sie sich wahrscheinlich die gleiche Frage stellen, die wir uns selbst seit Ewigkeiten stellen: Was treibt diese Spezies eigentlich an?
Nicht nur Überleben, nicht nur Fortschritt, sondern irgendetwas Tieferes. Sinnsuche. Ideen. Kunst. Musik. Der Wunsch, zu verstehen, wer man ist und warum man hier ist.
Vielleicht würden Außerirdische erkennen, dass wir noch mitten in unserer Entwicklung stecken. Dass wir vieles können, aber noch längst nicht alles verstehen. Vor allem nicht uns selbst. Dass wir irgendwo zwischen Größe und Selbstzerstörung festhängen.
Und vielleicht würden sie uns genau deshalb beobachten. Nicht mit Angst, nicht mit Verachtung, sondern mit einer Mischung aus Staunen und Skepsis. In der Hoffnung, dass wir irgendwann lernen, klüger mit dem umzugehen, was wir haben – diesem Planeten und miteinander.
Oder sie würden einfach den Kopf schütteln und weiterfliegen.
Auch das wäre irgendwie verständlich.
In dem Sinne.
Euer Patrick
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