Ich habe wieder Nachrichten gelesen und dachte zuerst: Hä? Ach, egal.

Nicht: Was ist denn das jetzt?!

Sondern eher so ein inneres geht schon klar.

Und genau da blieb ich hängen: Wann haben wir eigentlich aufgehört, überrascht zu sein?

Früher… da hat eine schlechte Nachricht einen noch überrascht. Da hat man kurz gestoppt und gedacht: Wow, ernsthaft?

Heute scrollt man weiter, bevor der Gedanke richtig da ist.

Krieg? Klar.

Krise? Schon wieder?

Skandal? Überraschend – nicht wirklich.

Und während ich das so denke, merke ich, dass es nicht Gleichgültigkeit ist. Es ist eher so, als wären wir alle irgendwie überladen.

Als hätten wir so viele Erwartungen, so viele schlechte Nachrichten, so viele Probleme gleichzeitig, dass der Kopf irgendwann sagt: Sorry, ich speichere das später ab.

Vielleicht ist es die Menge, die uns lahmlegt. Nachrichten aus 100 Ecken, jede aufregender als die andere. Du willst überrascht sein – aber dein Gehirn ist schon mit dem letzten Thema beschäftigt.

Und dann überlegt man:

War das früher wirklich anders? Oder hatten wir einfach nur mehr Platz im Kopf, um überrascht zu sein?

Ich hab das Gefühl, man hat irgendwann aufgehört, richtig zu fühlen, und angefangen, nur noch zu reagieren.

Reagieren auf Schlagzeilen, auf Posts, auf Headlines.

Reagieren, ohne wirklich stehen zu bleiben und zu denken: Moment mal, das ist krass.

Und während ich das hier schreibe, frage ich mich, ob das irgendwie dazugehört.

Ob man überrascht sein muss, um wach zu sein.

Oder ob man einfach nur zu viel hört, zu viel sieht, zu viel mitkriegt.

Vielleicht ist „überrascht sein“ gar kein Gefühl mehr, sondern eine Erinnerung. Irgendwas aus einer Zeit, bevor alles gleichzeitig wichtig war.

Und dann denke ich:

Vielleicht müssten wir einfach öfter mal nicht scrollen.

Nicht sofort reagieren.

Einfach kurz stehen bleiben. Und wirklich nachdenken, statt nur zu konsumieren.

Aber das ist gerade nur so ein Gedanke, der mir durch den Kopf geht.

In dem Sinne.

Euer Patrick