Es gibt dieses Gefühl, das sich einschleicht, wenn eine Serie endet. Nicht sofort. Nicht laut. Eher leise. Der Abspann läuft, der Bildschirm wird schwarz und man bleibt noch einen Moment sitzen. Nicht, weil man nicht weiß, was man als Nächstes schauen soll, sondern weil etwas fehlt, das lange einfach da war.

Man hat Wochen, Monate oder sogar Jahre mit diesen Figuren verbracht. Sie liefen nebenbei mit. Abends auf dem Sofa. Nach der Arbeit. Manchmal nur, um den Kopf auszuschalten. Und irgendwann gehörten sie zum Alltag. Nicht wie echte Menschen, aber auch nicht völlig egal. Eher wie Stimmen im Raum, die man nicht bewusst wahrnimmt, solange sie da sind.

Bei mir war dieses Gefühl besonders stark bei Serien wie Star Trek Voyager, Lost, King of Queens, Scrubs, Breaking Bad, Better Call Saul und Prison Break. Serien, die nicht nur Geschichten erzählt haben, sondern sich still in den Alltag geschoben haben. Folge für Folge. Woche für Woche. Über Jahre hinweg. Wenn sie endeten, fühlte es sich an, als würde man einen Raum verlassen, in dem man sich lange aufgehalten hat. Man kennt jede Ecke. Und weiß trotzdem, dass man nicht mehr zurückkommt.

Warum uns das so trifft, ist eigentlich gar nicht so kompliziert. Man baut Beziehungen auf. Auch zu fiktiven Figuren. Man weiß, wie sie ticken. Wie sie reagieren. Was sie ausmacht. Man erlebt ihre Fehler, ihre Verluste und manchmal auch ihre kleinen Siege. Irgendwann gehören sie einfach dazu. Still. Unauffällig. Aber konstant.

Und dann sind sie weg.

Doch nicht jede Serie hinterlässt dieses Gefühl.

Die letzte Serie, die ich beendet habe, war Stranger Things. Und überraschenderweise war da nichts. Keine Leere. Kein Gedanke daran, was ich jetzt mit mir anfangen soll.

Obwohl die Serie lange lief. Obwohl die Charaktere eigentlich alles hatten, was Nähe erzeugt.

Ich glaube, es lag an den Folgen selbst. Viele Episoden waren extrem lang. Teilweise über zwei Stunden. Das fühlt sich weniger nach Serie an und mehr nach Film. Oder nach mehreren Filmen hintereinander. Man schaut bewusster. Geplanter. Nicht nebenbei. Vielleicht hat auch die lange Pause zwischen den letzten beiden Staffeln einen großen Punkt dazu beigetragen.

Früher waren Serien ein Ritual. Eine Folge am Abend. Ein fester Platz im Alltag. Stranger Things war eher ein Ereignis. Neue Staffel. Alles schauen. Und dann wieder lange nichts. Man lebt nicht mit der Serie. Man besucht sie.

Vielleicht entsteht genau deshalb keine Leere beim Abschied. Weil man das Wegsein schon kennt. Weil die Serie nie wirklich Teil des Alltags war, sondern eher ein Termin.

Serien, die weh tun, wenn sie enden, sind oft die, die leise mitgelaufen sind. Die nicht perfekt waren. Die nicht immer spektakulär sein mussten. Aber verlässlich. Da. Wie eine Gewohnheit, die man nie bewusst gewählt hat und die plötzlich fehlt.

Man merkt es erst, wenn sie weg ist.

Und dann macht man das, was man immer macht. Man schaut sie vielleicht noch einmal. Oder man sucht eine neue Serie, die dieses Loch füllen soll. Manchmal klappt es sogar. Doch dann ist auch diese Serie vorbei und man ist wieder auf der Suche. Doch das Gefühl, dass man hatte als man zum ersten Mal eine gewisse Serie begonnen hat, wird man nie wieder in diesem Sinne haben. Deshalb funktioniert Nostalgie so gut bei uns.

Aber das ist ein anderes Thema, für einen anderen Blogpost, an einem anderen Tag.

In diesem Sinne.

Euer Patrick