Ich bin mir ziemlich sicher, dass es intelligentes Leben im All gibt.

Alles andere wäre ehrlich gesagt ziemlich arrogant. Bei der Größe dieses Universums ernsthaft zu glauben, wir wären die einzigen. Das wäre schon eine Leistung.

Die viel spannendere Frage ist für mich aber eine andere:

Sind wir es überhaupt wert, als intelligent zu gelten?

Das Universum ist absurd groß. So groß, dass Zahlen dafür eigentlich keinen Sinn mehr machen. Milliarden Sterne, Milliarden Planeten, unzählige Möglichkeiten für Leben. Und wir sitzen hier auf diesem einen blauen Punkt und diskutieren ernsthaft darüber, ob da draußen noch jemand sein könnte. Die Wahrscheinlichkeit spricht eher dagegen, dass wir allein sind.

Wir suchen ja auch schon. Funksignale, Radiowellen, irgendwelche Muster im Rauschen. SETI hört zu, Teleskope schauen, Sonden fliegen. Und bisher? Nichts. Funkstille. Kosmisches Ghosting.

Wir gehen automatisch davon aus, dass andere genauso kommunizieren müssten wie wir. Funk, Technik, Signale. Aber was, wenn eine hochentwickelte Zivilisation längst ganz anders unterwegs ist? Leiser. Effizienter. Unsichtbarer. Vielleicht sind wir für sie einfach irrelevant. Oder zu primitiv, um überhaupt wahrgenommen zu werden.

Und selbst wenn sie uns sehen würden, was genau würden sie sehen? Eine Spezies, die unglaubliche Technologie entwickelt hat. Satelliten, Raumstationen, künstliche Intelligenz. Wir können Bilder von Galaxien machen, Milliarden Lichtjahre entfernt, aber scheitern daran, unseren eigenen Planeten halbwegs vernünftig zu behandeln.

Vielleicht messen Außerirdische Intelligenz nicht daran, wie laut man ist oder wie viel man baut. Vielleicht schauen sie darauf, wie nachhaltig eine Spezies lebt. Wie sie mit ihrer Umwelt umgeht. Wie sie Konflikte löst.

Wir nennen uns intelligent, weil wir Werkzeuge bauen und Probleme lösen. Gleichzeitig zerstören wir Wälder, verschmutzen Ozeane und führen Kriege um Sachen, die wir uns selbst ausgedacht haben. Wenn das ein Bewerbungsgespräch fürs Universum wäre, ich weiß nicht, ob wir eingeladen würden oder ob unsere Unterlagen direkt in den Mülleimer fliegen würden.

Dazu kommt noch etwas anderes. Unsere technologische Existenz ist lächerlich kurz. Ein paar hundert Jahre. Ein Wimpernschlag. Wenn uns jemand aus weiter Entfernung beobachtet, sieht er vielleicht noch Pferdekutschen statt Internet. Vielleicht existieren wir für andere Zivilisationen einfach noch nicht lange genug, um ernst genommen zu werden.

Und falls sie uns doch entdecken? Vielleicht sehen sie uns wie wir Kinder sehen. Potenzial vorhanden, aber noch weit davon entfernt, Verantwortung zu tragen. Oder sie verstehen uns gar nicht. Eine völlig andere Form von Intelligenz, andere Denkweise, andere Logik. Wir wären für sie vielleicht nicht mehr als Hintergrundrauschen.

Am Ende stelle ich mir weniger die Frage, ob es intelligentes Leben im All gibt. Davon bin ich überzeugt.

Ich frage mich eher, ob wir irgendwann so weit sind, dass man uns auch so nennt. Nicht wegen unserer Technik, sondern wegen unserer Entscheidungen.

Vielleicht liegt die Antwort tatsächlich nicht in den Sternen. Vielleicht liegt sie darin, wie wir hier unten miteinander und mit unserem Planeten umgehen.

SETI hört zu. Ich bin mir nur nicht sicher, ob wir bereit für eine Antwort wären. Wir hören ins All. vielleicht, weil wir hier unten längst aufgehört haben, einander zuzuhören. Und vielleicht kommt irgendwann jemand, aber auch nur um eine galaktische Umgehungsstraße zu bauen, genau hier wo wir gerade sind.

In diesem Sinne.

Euer Patrick